2008-12-23

Sind Sie ein Pisten-Raser? Suva-Risikotest gibt Auskunft...

Von wuethrich @ 19:59 [ Varia ]

Facebook ist ein interessantes Medium. Zuerst habe ich mich dagegen gesperrt. Nun bin ich seit einigen Monaten registriert und habe bereits viele Leute wieder einmal angetroffen, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Mit einigen ehemaligen SchulkameradInnen meiner Sek-Klasse habe ich für eine Klassenzusammenkunft abgemacht. Oder heute las ich, dass ein Polit-Kollege (auch jung, auch Gemeinderat, auch SP) offenbar auf der Piste gestürzt ist und jetzt den Arm verletzt hat. Gute Besserung an dieser Stelle!

Es gibt sehr viele Skiunfälle. 32% aller Sportunfälle sind Wintersportunfälle. Hier eine Statistik (Quelle):


Der Walterswiler Skilift läuft leider nicht mehr. Aber viele nutzen die kommenden freien Tage für den Schneesport. Die Suva hat einen interessanten Risikotest kreiert. Sie müssen einige Fragen zu Ihrem Fahrverhalten und Ihrer Ausrüstung machen und schon erhalten Sie ihre persönliche Auswertung. Hier finden Sie mein Resultat:

 

 

Die Axen a-h bedeuten folgendes:

a. Nervenkitzel und Risikofreudigkeit (mittleres Risiko)

b. Fatalismus und Unbekümmertheit (mittleres Risiko)

c. Rücksicht (mittleres Risiko)

d. Delegation der Verantwortung (geringes Risiko)

e. (Schutz-) Ausrüstung (geringes Risiko)

f. Fahrerisches Können (geringes Risiko)

g. Körperliche Voraussetzung (mittleres Risiko)

h. Gruppenverhalten (mittleres Risiko)

Zu jedem der acht Punkte werden bei der Auswertung kurze Tipps abgegeben. Versuchen Sie es doch einmal und setzen Sie sich mit Ihrem Risikoverhalten auseinander. Natürlich können diese paar Fragen Sie nicht hochwissenschaftlich einschätzen. Aber es gibt eine Tendenz... Hier klicken: Suva-Risikotest.

Ich wünsche Ihnen schöne und unfallfreie Skitage! Wenn Sie mit dem Skiclub Walterswil skifahren wollen: Wir haben freie Plätze im Car. Ab Walterswil am Sonntag, 11. Januar und am Sonntag, 29. März 2009 gehen wir nach Saanemöser. Melden Sie sich ungeniert!

 


2008-12-22

Logistikmarkt Schweiz wird durch Schweizerische Post beeinflusst

Von wuethrich @ 11:11 [ Politik ]
Letzten Freitag wurde die aktualisierte Logistikmarktstudie veröffentlicht. Anfang 2007 hat sich ein Konsortium aus Wirtschaftspartnern und Förderern gebildet, welches in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St.Gallen unter der Leitung von Professor Stölzle und GS1 Schweiz die 1. Auflage der Logistikmarktstudie erstellte.

Erstmals wurde der Schweizer Logistikmarkt inhaltlich quantifiziert: Er umfasst ein Marktvolumen von 32 Mrd. CHF, was einem Anteil von ca. 7% des Bruttoinlandsproduktes der Schweiz (BIP) entspricht. Hauptergebnis der aktualisierten Studie 2009: Die Branche ist im Vergleich von 2006 auf 2007 um 2 Mrd CHF (6,25%) gewachsen - doppelt so stark wie das BIP der Schweiz.

Die Unternehmen haben zwei Hauptstrategien zur Auswahl: Entweder Fokussierung und Spezialisierung (bspw. auf eine Branche oder eine Leistung) und da zu den Besten gehören oder Anbieten von umfassenden kundenspezifischen Leistungsangeboten (Fullservice-Anbieter).

Folgende Megatrends für die Zukunft werden eruriert: Werteorientierung, Polarisierung des Leistungsspektrums, integrierte Managementkonzepte, individuelle Kundenbedürfnisse, Umweltorientierung und Globalisierung.
 
Die Studie kommt zum Schluss, dass Verlagerungstendenzen von der Strasse auf die Schiene zu beobachten seien. Meist bei längeren Transportstrecken. Zentraler Grund der Umstellung der Logistik auf die Bahn bleibt die Wirtschaftlichkeit (und nicht der Öko-Trend).
 
Logistikunternehmen in der Schweiz:
1. Die Schweizerische Post mit ihren Töchtern PostMail und PostLogistics
1960 und 952.24 Mio. Euro Umsatz 2006
2. Lagerhäuser Centralschweiz 681.1
3. SBB Cargo 632.2
4. Swiss Post International 374.7
5. Panalpina 335.7
6. DHL Schweiz 332.4
7. Camion Transport 215.0
8. Galliker Transport 202.0
9. Fiege Logistics 192.9
 
Quelle: Logistikmarktstudie 2008 Uni St. Gallen/Deutsche Verkehrszeitung (DVZ 9.12.08)
 
Interessant ist die Betrachtung im Hinblick der Partnerwahl von SBB Cargo. SBB Cargo ist gar nicht so gross wie oft angenommen wird, im Vergleich mit den Strassentransportunternehmen, bleibt aber unbestritten das grösste Eisenbahngütertransportunternehmen (BLS Cargo fehlt unter den Top Ten). Die Post ist sowohl auf der Strasse wie auf der Schiene ein bedeutender Player. Gerade im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen ist die Post natürlich bedeutend. Was die Umsätze oben alles beinhalten, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
 
Bildquelle: PostLogistics

2008-12-19

Massiver Ausbau des öffentlichen Verkehrs - Bundesrat macht ein Weihnachtsgeschenk

Von wuethrich @ 12:18 [ Politik ]
An der letzten Bundesratssitzung im 2008 wurden heute für den öffentlichen Verkehr wichtige Entscheide getroffen. Es sind für den öV gute Nachrichten (natürlich dürfte es immer etwas mehr sein), sehr gute, wenn man die aktuellen Diskussionen über die Bundesfinanzen einbezieht.
 
1. Finanzierung Agglomerationsverkehr
Der Bundesrat schickt seine Vorschläge für die Verbesserungen im Agglomerationsverkehr in die Vernehmlassung. Nach dem Sieg gegen die Avanti-Vorlage 2004 wurde ja der Kompromiss mit dem Infrastrukturfonds (geäufnet mit Strassengeldern) gefunden. Die Gelder für die Nationalstrassen (Fertigstellung Nationalstrassennetz und Ausbau) fliessen in den bisherigen Finanzierungskanälen. 23 dringliche Projekte des Agglomerationsverkehr (u.a. Tram Bern West) wurden bereits mit 2,6 Mrd. Franken unterstützt.
 
Für die weiteren Beiträge im Agglomerationsverkehr hat der Bund von den ca. 50 Agglomerationen der Schweiz abgestimmte Planungs-Programme verlangt. Diese sehen viele Massnahmen im Bereich Schiene, Strasse und Langsamverkehr vor, welche die zur Verfügung stehenden Mittel bei Weitem übersteigen. Der Bundesrat musste also Prioritäten setzen. Die Liste mit den unterstützten Projekten im Umfang von 3.4 Mrd. Franken hier (es erhält fast jede Agglo etwas...):
Wenn man bedenkt, dass die Bahn 2000, 1. Etappe 5,9 Mrd. Franken gekostet hat und eine massive Verbesserung gebracht hat, kann die Wirkung des Pakets "Agglomerationsverkehr" mit 6 Mrd. Franken erahnt werden. Bis Mitte April 2009 läuft die Vernehmlassung. Für den Kanton Bern sind einige wichtige Projekte aufgelistet (leider nichts für den Oberaargau).
 
Ebenfalls heute hat der Bundesrat die Liste mit den Ausbauprojekten der Autobahnen präsentiert (Umfang 5.5 Mrd. Franken). Im Kanton Bern wird auf einen 6-Spur-Ausbau zwischen Schönbühl-Kirchberg und Muri-Rubigen verzichtet. Dafür sollen die Autobahnen rund um Bern auf 6 bis 8 Spuren ausgebaut werden.
 
2. Bahn 2000, 3. Etappe = Bahn 2030
Der Bundesrat führte auch eine Aussprache für den weiteren Ausbau des Bahnnetzes der Schweiz. Nach Bahn 2000, 1. Etappe und Bahn 2000, 2. Etappe (ZEB) soll nun das dritte Paket "Bahn 2030" heissen. Die Vorschläge werden Anfangs 2010 in die Vernehmlassung gegeben und Ende 2010 in Parlament kommen. Das Bahnnetz soll weiter ausgebaut werden, hauptsächlich Fernverkehr zwischen den Agglomerationen und Regionalverkehr innerhalb der Agglomerationen. Der Bundesrat will zwei Varianten vorschlagen:
 
Variante 1: Ausbau im Umfang von 21 Mrd. Franken, verteilt über 25 Jahre. Wie aktuell sollen pro Jahr 1.2 Mrd. Franken investiert werden können. Erste Gelder sollen im Jahr 2017 fliessen (bis 2040, ich bin dann 60 Jahre alt!).
Variante 2: Redimensionierter Ausbau im Umfang von 12 Mrd. Franken. Noch so können jährlich 850 Mio. Franken verbaut werden.
 
Der Bundesrat schlägt vor, dass der FinöV-Fonds zur Finanzierung beibehalten werden soll. Befristet muss er allerdings (ca. 10 Jahre) mit zusätzlichen Mitteln gespiesen werden. Die zusätzlichen Mittel sollen von den öV-Benützenden kommen ("Bahnabgabe"). Bei der Variante 1 sollen zusätzlich der LSVA-Kantonsanteil in den FinöV-Fonds fliessen. Definitiv entscheiden wird der Bundesrat mit der Botschaft ans Parlament Ende 2010.
 
Der LSVA-Kantonsanteil anzugreifen ist in meinen Augen ein taktisch kluger Zug des Bundesrates. Diese Gelder werden von den (meisten) Kantonen dazu benutzt ihre Strassen oder Budgets zu sanieren. Die Kantone fordern vom Bund auf der anderen Seite die Finanzierung von zusätzlichen öV-Projekte. Nun nimmt der Bundesrat die Kantone in die Pflicht. Das Volk kann sich dazu äussern: Bahn 2030 soll an einer Volksabstimmung unterstellt werden (Verfassungsänderung). Es wird spannend. Auf jeden Fall ist heute ein toller Tag für Verkehrspolitiker wie mich...
 
Als Kontrast unten ein Bild von einer Bahnstrecke in unserer Region, die ab Fahrplan Dezember 2009 still gelegt werden soll: Huttwil-Sumiswald...
 


2008-12-14

Verstärken Sie die Feuerwehr Huttwil?

Von wuethrich @ 17:16 [ Huttwil ]

Ab Neujahr übernehme ich im Gemeinderat von Huttwil das Ressort öffentliche Sicherheit. Darin sind verschiedene Aufgabengebiete rund um die Sicherheit zusammengefasst: Zivilschutz, Militär, Feuerwehr und vieles mehr. Dank meiner Ausbildung als Offizier der Schweizer Armee ist mir die schweizerische Sicherheitspolitik bestens bekannt. Der ganze Bereich Sicherheit, der die Gemeinden betrifft, habe ich bisher eher weniger kennen gelernt. Darum sehe ich mich jetzt mit offenen Augen und Ohren um, was in diesem Bereich geschieht.

Per Zufall habe ich am Freitag bei der Verabschiedungsfeier von Ueli Sinzig als Asm-Direktor mit Hanspeter von Flüe Bekanntschaft gemacht. Er ist neuer Vorsteher des Amtes für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM) des Kantons Bern. Vorher war er Vorsteher des Amtes für öffentliche Sicherheit der Stadt Langenthal. Er kennt das Gebiet also hervorragend und wusste, dass zur Zeit vieles im Umbruch sei. Mit dem neuen VBS-Chef Ueli Maurer werden vielleicht auch neue Akzente gesetzt... Wir werden sehen. In Huttwil wird uns die Arbeit also nicht ausgehen.

Apropos: Die Feuerwehr Huttwil braucht Verstärkung. Im Amtsanzeiger Trachselwald vom 11. Dezember 2008 war die amtliche Information, dass die Feuerwehr Huttwil am nächsten Dienstag, 16. Dezember 2008 um 20 Uhr beim Feuerwehrmagazin Huttwil alle Interessierten unverbindlich informiert. Sind Sie Huttwiler oder Huttwilerin (auch Frauen sind - wie in der Armee - willkommen) und möchten sich auch für die Allgemeinheit engagieren und Ihren Beitrag leisten? Dann schauen Sie doch vorbei!

Ich kann leider nicht gehen: Von 18.30 bis 20.00 Uhr habe ich meine viertletzte Uni-Prüfung zu schreiben. Konzernrechnungslegung...

Hier die Anzeige:

 

Hier das Feuerwehrmagazin von Huttwil wie ich es von meinem Bürofenster im Blick habe:

 


2008-12-11

Goldener Schnee: Skilift Walterswil offen!

Von wuethrich @ 23:10 [ Varia ]

Die Schneemassen gefallen mir sehr. Alles ist schön in eine weisse Schicht gepackt, Kanten werden abgerundet und das Gehen im Schnee macht schöne Töne. Ich kann mich fast nicht erinnern im Dezember einmal soviel Schnee gesehen zu haben.

Der Schnee ist aber für den Skilift Walterswil Gold wert! Am letzten Montag fand die Skiliftgenossenschaftsversammlung statt, an welcher nicht rosige Finanzaussichten präsentiert wurden. In den letzten Jahren wurden einige Tausend Franken in die Erneuerung und die Sicherheit der Skiliftanlage gesteckt. Das hat Geld gekostet. Seit 2006 konnte der Skilift leider nie mehr in Betrieb genommen werden.

Das ändert sich: Ab Morgen Freitag, 12. Dezember, 13 Uhr wird der Skilift die Skisaison 08/09 bereits im Jahr 2008 starten! Weitere Informationen auf der Homepage des Skilifts. Unten ein Foto von 2006 als der Skilift in Betrieb war. Für den Skiclub gilt es also schon bald an die Organisation des traditionellen Schülerrennens zu denken! Wie lange der Schnee wohl halten wird und der Skilift in Betrieb sein kann? Wir hoffen auf eine lange Saison! Besuchen Sie doch den Skilift Walterswil in Ihrer Nähe! Gerade für Kinder, die das Skifahren lernen wollen, ist die Anlage sehr geeignet (auch ich habe an diesem Hügel Skifahren gelernt).

Nachtrag: Die Piste ist in sehr gutem Zustand. Bereits haben viele Leute den Weg nach Walterswil gefunden. Hier ein aktuelles Bild vom Samstagnachmittag:

Der Kiosk von Therese Lanz ist auch bereits offen! Warme Getränke zum Aufwärmen und feine Snacks als Zwischenverpflegung. Am Abend verwandelt sich der Kiosk eher zu einer Bar wie mir zu Ohren gekommen ist ;-)

 


2008-12-08

Macht es das Parlament wie der Gemeinderat von Huttwil, werden Blocher und Maurer nicht gewählt!

Von wuethrich @ 23:29 [ Huttwil ]
Heute fand die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates von Huttwil statt. Es ging darum das Vizegemeindpräsidium zu bestimmen, die Ressorts zu verteilen und die Kommissionswahlen vorzubereiten. Bereits ist die offizielle Medienmitteilung der Sitzung durch den Gemeindeschreiber per Email verschickt worden, die ich hier zitiere:

 

Annette Leimer wird Vizegemeindepräsidentin

Am 8. Dezember 2008 hat sich der Gemeinderat erstmals in seiner neuen Zusammensetzung zu einer Sitzung getroffen. Es galt, das Vizepräsidium zu bestimmen und die Ressorts aufzuteilen. Für die Besetzung des Vizegemeindepräsidiums war der Anspruch der Listenverbindung von SP und FWH für die Besetzung dieses Amtes im Grundsatz nicht bestritten. Für die bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat war Adrian Wüthrich aufgrund von Äusserungen und Publikationen während dem Wahlkampf um das Gemeindepräsidium nicht für das Amt des Vizepräsidiums wählbar. Zur Wahl vorgeschlagen wurde in der Folge Annette Leimer, welche durch den Gemeinderat einstimmig als Vizegemeindepräsidentin gewählt wurde. Weiter hat der Gemeinderat folgende Ressortzuteilung beschlossen:

 

Ressort

Ressortleiter

Stellvertretung

Präsidiales

Hansjörg Muralt

Annette Leimer

Bau

Peter Scheidegger

Franziska Ryser

Bildung, Kultur und Freizeit

Annette Leimer

Peter Scheidegger

Gemeindebetriebe

Peter Schafroth

Adrian Wüthrich

Finanzen

Adrian Schütz

Peter Schafroth

Soziales

Franziska Ryser

Adrian Schütz

Öffentliche Sicherheit

Adrian Wüthrich

Hansjörg Muralt

 

Ende der offiziellen Mitteilung. Wenn man die Argumentation der bürgerlichen Mehrheit auf die Bundesratswahlen vom Mittwoch ummünzt, ist auch Ueli Maurer und Christoph Blocher nicht wählbar. Sie haben ja auch mit klaren Worten Wahlkämpfe geführt. Für mich war der Wahlkampf um das Gemeindepräsidium am 30. November zu Ende. Ich ging ohne Vorurteile an die Sitzung. Die Freien Wähler, die EVP und die SP haben klar mich für das Vizepräsidium vorgesehen. Schliesslich erreichte ich 40 Prozent der Stimmen bei den Gemeindepräsidiumswahlen.

 

Das zählte nicht. Ich hätte einen unfairen Wahlkampf geführt, wurde mir vorgeworfen. Und was in der Presse stand und was andere in ihren Blogs schrieben, dafür sei ich schuld. Hauptanstoss ist offenbar auch dieser Blog. Ich lasse mir aber das Bloggen, das heisst die freie Meinungsäusserung, nicht verbieten. Dafür verzichte ich gerne auf ein Vizepräsidium. Ich lasse mir nicht den Mund verbieten (natürlich vorbehalten Amtsgeheimnis, das ist auch mir klar). Gerade heute habe ich im Radio wieder einen Bericht gehört wie in anderen Ländern die Regierungsmehrheiten versuchen Bloggerinnen und Blogger zu verfolgen und ins Gefängnis zu stecken (hier ein Bericht aus einem anderen Blog).

 

Mein Angebot für eine offene und konstruktive Zusammenarbeit war da. Aber das wurde nicht akzeptiert. Zu nachtragend ist die bürgerliche Mehrheit. Es ging nicht um meine Parteizugehörigkeit, es ging um meine Person. Schade. Aber ich sehe es auch positiv: Ich werde mehr Zeit für meine Freundin haben und für weitere interessante Projekte.

 

Ein Ressort habe ich trotzdem erhalten: Das Ressort Öffentliche Sicherheit war zwar nicht meine erste Wahl. Ich kann aber sehr gut damit leben. Ich war denn auch kompromissbereit. Als Stellvertretung habe ich die Gemeindebetriebe statt das Präsidiale erhalten. Nun denn. Die Parteipolitik soll nun vorbei sein und es solle wieder Sachpolitik betrieben werden. Wir werden sehen. Auch ob am Mittwoch Ueli Maurer in den Bundesrat gewählt wird. Arbeit gibt’s überall. Hauptsache: Pro Huttwil!

 

 


2008-12-06

Arme Menschen unter ins - Armutsbetroffene Menschen erhalten eine Stimme

Von wuethrich @ 14:43 [ Kanton Bern ]

Im Kanton Bern sind 32'000 Haushalte arm und 20'000 Haushalte armutsgefährdet. Dies zeigt der erste Sozialbericht für den Kanton Bern, den Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud anlässlich einer Medienkonferenz in Bern vorgestellt hat. Für den Bericht wurden flächendeckend Steuerdaten wissenschaftlich ausgewertet. Gleichzeitig gibt der Sozialbericht von Armut betroffenen Menschen eine Stimme.

 

Der erste Sozialbericht des Kantons Bern will ein ganzheitliches Bild des Themas Armut, Existenzsicherung und Sozialhilfe im Kanton Bern vermitteln und einen Beitrag für eine sachliche Diskussion dieser Themen leisten. Dabei geht der Sozialbericht neue Wege, indem er nicht nur der Wissenschaft, sondern in einem eigenen Band auch von Armut betroffenen Menschen eine Stimme gibt.

Unhaltbare Zustände
Der erste Band des Sozialberichts enthält die wissenschaftliche Analyse der wirtschaftlichen Situation der Berner Kantonsbevölkerung. Als primäre Datenquellen dienten die Schweizerische Sozialhilfestatistik des Bundesamtes für Statistik und - in dieser Art erstmalig - die Staatssteuerdaten. Die umfassenden Daten zeigen, dass rund sieben Prozent der Berner Haushalte als arm, weitere fünf Prozent als armutsgefährdet bezeichnet werden müssen. Im Kanton Bern gibt es über 50'000 arme oder armutsgefährdete Haushalte, in denen gut 90'000 Personen leben, die auf Bedarfsleistungen angewiesen sind. Darunter sind über 20'000 Kinder.

Regierungsrat Philippe Perrenoud hat diese Umstände als unhaltbar bezeichnet. Der Kanton Bern braucht deshalb eine langfristige Strategie zur nachhaltigen Reduktion der Armut. In einer ersten Phase will die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) den Sozialbericht in der Öffentlichkeit und in den interessierten sozialpolitischen Kreisen breit diskutieren lassen. Anschliessend werden entsprechende Massnahmen erarbeitet. Ziel ist es, innert 10 Jahren die Armut im Kanton Bern zu halbieren.

Armutsrisiko ist nicht in allen Lebensphasen gleich ausgeprägt

Kinder/Familie: Das grösste Armutsrisiko tragen die Jüngsten: Jedes zehnte Kleinkind zwischen 0 und 5 Jahren bezieht über seine Eltern Leistungen der Sozialhilfe, während die durchschnittliche Sozialhilfequote bei 4,3 Prozent liegt. Gemessen an allen Sozialhilfebeziehenden machen Kinder von 0 bis 15 Jahren 30 Prozent aller Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger im Kanton Bern aus. Im Kanton Bern ist jeder vierte Alleinerziehendenhaushalt auf die Sozialhilfe angewiesen. Dies unter anderem, weil die Alimentenzahlungen nicht einmal die Hälfte der Haushaltseinkommen von Alleinerziehenden abdecken.

Jugendliche und junge Erwachsene: Jugendliche und Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren weisen eine überdurchschnittliche Sozialhilfequote von 6 Prozent auf. Dabei haben Jugendliche und junge Erwachsene mit ausländischer Nationalität ein deutlich höheres Armutsrisiko (Sozialhilfequote von 15%) als Schweizer Jugendliche (Sozialhilfequote von 4,5%). Zwei wesentliche Gründe für das überdurchschnittliche Armutsrisiko von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind die mangelnde Integration in den Arbeitsmarkt und Leistungslücken des Sozialversicherungssystems.

Personen im erwerbsfähigen Alter: Im Kanton Bern ist jeder zwanzigste Haushalt ein Working Poor-Haushalt. Das heisst, dass das Einkommen trotz Vollzeitstelle nicht reicht, um die Existenz des Haushalts zu sichern.
Eine weitere wichtige Einkommensquelle für Personen im erwerbsfähigen Alter sind Leistungen der Sozialversicherungen: 8 Prozent der Haushalte mit einem Haushaltsvorstand im Erwerbsalter beziehen Erwerbsersatzleistungen. Weitere 16 Prozent beziehen bereits im Erwerbsalter Renteneinkommen. Trotz Leistungen der Sozialversicherungen sind immer noch 11,3 Prozent der Haushalte arm oder armutsgefährdet und auf kantonale Sozialleistungen oder private Unterstützung angewiesen.

Senioren: Trotz ausgebautem Rentensystem der ersten und zweiten Säule verfügen immer noch 13 Prozent der Haushalte mit einem Haushaltsvorstand im AHV-Rentenalter über ein Haushaltseinkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze und sind auf bedarfsabhängige Leistungen angewiesen. Die Ergänzungsleistungen der AHV und der IV haben für die Existenzsicherung von Seniorenhaushalten eine zentrale Bedeutung.


Der zweite Band des Berner Sozialberichts ist den Menschen gewidmet, die von der Armut direkt betroffen sind. In längeren Interviews haben armutsbetroffene Personen eine Plattform gefunden, Aspekte ihrer Lebensgeschichte zu beleuchten, ihre aktuelle Lebenssituation offen zu schildern, ihre Ängste, Enttäuschungen und Hoffnungen frei zu artikulieren. Damit wird Armut fassbar, erhält ein Gesicht oder zumindest eine Stimme. Am 1. Dezember 2008 hat der Gesundheits- und Fürsorgedirektor, Philippe Perrenoud, die interviewten Personen im Rathaus zu einem längeren Gespräch empfangen. Es war der erste Schritt zu einem Dialog zwischen zwei Welten, dem in Zukunft mehr Bedeutung zugemessen wird.

Wegen der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Sozialen Sicherheit will die Gesundheits- und Fürsorgedirektion die Sozialberichterstattung als permanentes sozialpolitisches Planungsinstrument etablieren. Deshalb ist bereits der 2. Sozialbericht geplant. Dieser soll 2010, im EU-Jahr der Armut und der sozialen Ausgrenzung, erscheinen.

Quelle: Mediendienst Hälfte, Bern