2009-07-26

Kennen Sie den Künstler auf der 100er-Note? Giacometti.

Von wuethrich @ 22:26 [ Varia ]

Das Wetter letzte Woche lud nicht gerade ein draussen Aktivitäten zu starten. Wir haben deshalb nach Indoor-Ausflugsmöglichkeiten gesucht. Was liegt näher als ein Museumsbesuch oder eine Kunstausstellung. In der Fondation Beyeler in Riehen/Basel sind bis am 11. Oktober die Werke vom Schweizer Künstler Alberto Giacometti (1901-1966) zu sehen. Die Ausstellung ist praktisch per öV erreichbar.

Besonders gefallen hat mir die Bronzefigur unten mit dem Namen "Homme qui marche sous la pluie". Giacometti hat sie 1948 erschaffen. Sie ist nur 16 cm hoch. Die Figur ist typisch für Giacometti. Sie ist sehr ausdrucksstark, ich hatte fast das Gefühl, dass die Figur wirklich geht.

Giacometti ist in der Schweiz bekannt geworden, weil sein Porträt und seine typische Figur auf der neuen 100er-Note zu finden ist. Wir alle tragen also ab und zu einen Giacometti im Portemonnaie herum. Mir gefällt seine Kunst.

Die Van Gogh-Ausstellung in Basel haben wir nicht besucht. Eine Kunstusstellung pro Tag reicht...

 

 

 


2009-07-23

Ärztlicher Notfalldienst schwieriger zu erreichen, auch im Oberaargau

Von wuethrich @ 15:41 [ Region ]

Heute kann in der Berner Zeitung gelesen werden, dass der ärztliche Notfalldienst in der Gemeinde Spiez schwierig zu erreichen sei. Erstens sei die Notfallnummer nicht im Telefonbuch verzeichnet und zweitens würden Personen, die 0900-Nummern gesperrt haben das Notfalltelefon nicht erreichen. Weitere Details unter diesem Link.

Spiez ist kein Einzelfall. Auch im Oberaargau haben wir dieses Problem. Seit dem 30. März 2009 haben die Oberaargauer Ärztinnen und Ärzte auf das "Medphone" umgestellt. In den Amtsanzeigern wird die Nummer publiziert. Weil zur Zeit die kirchlichen Mitteilungen spärlich sind, fällt das Inserat auf der Titelseite des Amtsanzeigers Trachselwald auf: 0900 57 67 47. Eine eher schwierig auswendig zu lernende Nummer.

Vorhin habe ich auch im aktuellen Telefonbuch nachgeschaut. Weder im Directories- noch im Local-Telefonbuch ist die neue Nummer eingetragen. Auch im Merkblatt mit den wichtigsten Telefonnummern ist es wohl auch nicht. Den Test, ob die alte Notfallnummer noch in Betrieb ist, habe ich jetzt nicht gemacht. Da die Rufumleitung meist noch ein halbes Jahr gemacht wird, könnte man noch bis Ende September umgeleitet werden.

Das Problem hat also auch die Oberaargauer Bevölkerung: Die Nummer ist ausser im Amtsanzeiger nicht registriert und wer (wie ich) 0900-Nummern gesperrt hat, kann den Notfalldienst gar nicht erreichen.

Ich werde abklären, ob man für die Gemeinde Huttwil einen Directories-Eintrag mit der Notfallnummer machen kann (obwohl die Gemeinde mit der Umstellung und dem Betrieb der Notfallnummer nichts zu tun hat, wie in Spiez). Gerade heute habe ich auf der Gemeindeverwaltung eine Rechnung unterschrieben für drei Directories-Einträge der Gemeinde. Damit kann die Nummer bekannt gemacht werden. Das Problem der 0900-Nummer ist dann immer noch nicht gelöst. Der Rat der Swisscom: Die 0900-Nummern nicht sperren lassen. Und sowieso soll man auf 144 telefonieren. Dann kommt im Notfall auch die Ambulanz. Aber das wäre gerade nicht das Ziel der neuen Nummer wie es im Merkblatt heisst (Link).

 


2009-07-21

Ich bin einer von 3'000 Interessenten für den SBB-Kundenbeirat

Von wuethrich @ 23:09 [ Varia ]

Die Deutsche Bahn hat seit 2004 einen Kundenbeirat und ich überlegte mir bereits einen solchen für die SBB anzuregen. Bei diesen Überlegungen fand ich dann, dass man eigentlich einen Kundenbeirat für alle Transportunternehmungen einer grösseren Region installieren sollte. Das System öffentlicher Verkehr ist zu vernetzt, als eine einzelne Transportunternehmung viel Veränderungsspielraum hat. Und überhaupt: Im Kanton Bern gibt es insgesamt sechs regionale Verkehrskonferenzen, die auch als Kundenbeirat angeschaut werden.

 

Wenn eine Schweizer Transportunternehmung einen Beirat der Kundeschaft einsetzen kann, dann die SBB. Allerdings liebe SBB, nicht alles was die Deutsche Bahn macht ist apriori gut. Der Kundenbeirat mag ein gutes Instrument sein für die Bedürfnisse der Kundschaft noch besser in Erfahrung zu bringen. Börsengänge, Gewinnstreben, Personalbespitzelung und komplizierte Preissysteme sind nicht das Gelbe vom Ei. Solche Ideen müssen nicht von der DB abgekupfert werden.

 

Der Kundenbeirat für die SBB ist aber in der Tat eine gute Sache. Radio und Fernsehen (SRG) haben ja auch eine Programmkommission. Da ich ein interessierter öV-Benützer bin, lag es auf der Hand, dass ich mich für diesen Kundenbeirat bewarb. Das ging ganz einfach: Auf der SBB-Website musste ein Online-Formular ausgefüllt werden. Fertig. Die 25 Plätze in diesem Kundenbeirat sind offenbar beliebt: Heute lese ich, dass über 3'000 Personen sich zur Verfügung stellen wollen. Das sind mehr Kandidierende als für die 200 Sitze im Nationalrat... Auch bei der Deutschen Bahn haben sich 2004 für die 32 Plätze über 5'300 Personen gemeldet.

 

Was wären meine Vorzüge? Ich bin regelmässiger öV-Benützer, kenne das System öV, kenne Verbesserungsmöglichkeiten, kenne die Anliegen des Personals und auch die Grenzen des öV-Systems. Als aktives Mitglied bei der Interessengemeinschaft für öffentlichen Verkehr (IGöV) könnte ich als Botschafter und Sprachrohr unserer Sektion die Anliegen bei der SBB vertreten. Die SBB würde doppelt profitieren, weil sie über mich zu noch mehr Anliegen von noch mehr Kundinnen und Kunden käme. Vorausgesetzt die IGöV-Mitglieder wären damit einverstanden.

 

Konkrete Anliegen hätte ich durchaus: Grössere Abfallkübel, durchgehende Halbstundentakte, Umsteigemöglichkeiten an den Bahnhöfen einfach halten, interaktive Streckenpläne in den Wagen, Bahnhöfe möglichst lange bedient haben, die Unterführung im Bahnhof Bern würde ich  auf zwei „Fahrbahnen“ aufteilen, eine Richtung Stadt und eine Richtung Perrons, die Sauberkeit der Züge möchte ich verbessert sehen. Die geplanten Premiumabteile in den Zügen würde ich akzeptieren, wenn dafür die öV-Tickets weniger teurer würden.

 

Am liebsten würde ich nicht Mitglied des Kundenbeirats, sondern dessen Sekretär. Diese Arbeitsstelle wäre sehr interessant. Die Anliegen aufnehmen, abklären, verbessern und mithelfen die SBB in eine goldene Zukunft zu führen.

Zum neuen, sich im Bau befindenden Doppelstockwagen für die Zürcher S-Bahn würde der Kundenbeirat sicher auch eine Meinung entwickeln (Bildquelle: SBB):

 


2009-07-18

Einmal nicht mit Politik in der Zeitung...

Von wuethrich @ 19:06 [ Varia ]

In der Tat habe ich mich im Fussball-Team des Skiclubs Walterswil als Stürmer versucht. Allerdings war ich kein Joker wie der YB-Spieler Doumbia... Lustig war es trotzdem. Fotos und Bericht auf der Skiclub-Homepage. Als Präsident des SCW hat mich das Resultat gefreut. Mit 4:3 haben wir gewonnen. Wir spielten übrigens das erste Mal seit es diesen Match gibt nicht auf dem Sportplatz in Affoltern, sondern im Sportcenter Huttwil. Wir werden auch nächstes Jahr wieder im Sportcenter spielen. Die Infrastruktur und der Rasen sind einfach besser.

 


2009-07-14

Rauchverbotskontrollen im Huttwiler Gastgewerbe durchgeführt

Von wuethrich @ 20:13 [ Huttwil ]

Heute haben der Huttwiler Polizeisekretär und ich als Gemeinderat mit dem Ressort öffentliche Sicherheit bei einigen Huttwiler Gastgewerbebetrieben einen Besuch abgestattet. Ich hatte befürchtet, dass uns diese Aufgabe vom Kanton aufgetragen wird und bereits hier berichtet. Wir wollten nachsehen wie das Rauchverbot, das seit 1. Juli im Kanton Bern gilt, umgesetzt wird und ob die Wirtinnen und Wirte es durchsetzen können. Falls Sie vom nähere Informationen vom Kanton erhalten wollen, finden Sie diese hier.

Ein Gast wollte uns ein Bier zahlen, wenn wir jemand verbotenerweise beim Rauchen erwischen würden. Er musste kein Bier bezahlen, weil wir niemanden erwischt haben. Es war auch nicht das Ziel. Wir wollen einfach unserer Pflicht als Gemeindebehörde nachkommen. So wurde klar mitgeteilt: "Die Gemeinden sind dafür zuständig, die Einhaltung der Bestimmungen zu überwachen. Sie nehmen die erforderlichen Kontrollen im Rahmen ihrer allgemeinen Aufsichtstätigkeit wahr sowie gestützt auf Beanstandungen aus dem Publikum." Wir haben geschaut, ob keine Aschenbecher mehr auf den Tischen stehen, ob Rauchverbotsschilder aufgemacht wurden und ob draussen Aschenbecher aufgestellt sind.

Wirtinnen und Wirte und Lokalverantwortliche können Bussen bis 20'000 Franken erhalten, fehlbare Raucher können bis 2'000 Franken belegt werden. Es gibt offenbar im Emmental noch einige Gastro-Unternehmer, die angestachelt von den Stammtischen die neuen Bestimmungen nicht umsetzen wollen. 10vor10 hat heute Abend darüber berichtet. Von den 300 Wirten würden 75 das Rauchverbot nicht einhalten, hat der Gastro-Emmental-Präsident in die Kamera gesagt. Mal schauen was passiert, wenn am Schluss die Wirte ihre Betriebsbewilligung verlieren. Das sind mir noch Demokraten...

In Huttwil ist alles was wir gesehen haben in Ordnung gewesen. Am interessantesten finde ich wie die Stammtischaschenbecher verziert werden - da sie als Aschenbecher nicht mehr benötigt werden, dienen sie jetzt als Blumenschalen. Schön sieht's aus!

Hier ein Beispiel von einer öffentlichen Toilette in einem Restaurant. Diese Aschenbecher haben ebenfalls ausgedient (ich frage mich auch als Raucher warum man auf die Idee kam auf der Toilette zu rauchen?):

 

 


Armut ist überall - Armut muss bekämpft werden

Von wuethrich @ 14:45 [ Politik ]

Ich erhalte ab und zu ein Informationsmail vom unabhängigen Mediendienst zur Arbeit und zur Erwerbslosigkeit «Hälfte». Im letzten Mail wird über eine Bachelorarbeit von drei Studentinnen der Universität Fribourg über die Armut bei Kinder und Jugendlichen berichtet. Armut ist ein weiter verbreitetes Phänomen – mehr als wir alle denken, ich habe bereits einmal darüber im Blog berichtet. Die aktuelle Wirtschaftskrise wird noch mehr Leute in die Armut treiben. Spätestens wenn die Zeit bei der Arbeitslosenversicherung zu Ende geht und man immer noch keinen Job hat, muss man zur Fürsorge. Die Zahl der Personen, die von der Fürsorge leben ist steigend.

 

Auch im Oberaargau, auch in Huttwil kennen wir Armut. Die Gesellschaft hat hier eine Verantwortung. Waren es früher vermehrt die alten Leute, sind heute eher die Familien mit Kinder betroffen. Was kann die Politik tun ? Der bernische Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud will die Zahl der armen Leute im Kanton Bern bis 2019 von 90'000 auf 45'000 Betroffene halbieren.

 

Was raten nun die Wissenschaftlerinnen? Hier wird ein Auszug aus der Mitteilung des Mediendienstes wiedergegeben:

Die Forscherinnen weisen im Rahmen eines Vergleichs zwischen Bedarf und Angebot spezifische Lücken im Angebot für von der Armut betroffene Kinder und Jugendliche aus. Erstaunlicherweise mangelt es im Kanton Freiburg den Betroffenen weniger an finanzieller und materieller Unterstützung. In erster Linie werden zu wenig Beratungs- und Begleitungsleistungen festgestellt. Fast gleichrangig ist das Defizit an ausserfamiliärer Kinderbetreuung und jenes im Bereich der Freizeitgestaltung. Dies sind alles Unterstützungsformen, die menschliche Kontakte voraussetzen und bei denen die Professionalität der Sozialleistungen besonders gefragt ist. Verstärkt werden müssten nach Ansicht der Autorinnen aber auch die der Sozialhilfe vorgelagerten Leistungen, wie zum Beispiel die präventive Unterstützung von kinderreichen Familien.

 

In dieser Untersuchung wird auch auf ein spezielles Zugangsproblem hingewiesen. Betroffene Kinder und Jugendliche können oft durch die Institutionen der Sozialhilfe gar nicht erreicht werden, weil die Betroffenen Angst vor einer Stigmatisierung haben und Scham davor empfinden, ihre Bedürftigkeit jemandem fremden anzuvertrauen. Man „hat sich eben nicht dafür“, arm werden zu können und schon gar nicht, arm zu sein. Den Jugendlichen gebietet die familiäre Loyalität, dieses Schweigen nicht zu brechen.  

  

Die Bachelorarbeit von Barbara Erzinger, Evelyne Peter und Rebekka Sieber mündet einerseits in konkrete Empfehlungen, wie das Sozialhilfe-Angebot gezielt verbessert werden müsste. Natürlich wird hier eine stärkere finanzielle Ausstattung dieses Bereichs gefordert. Wichtiger scheinen jedoch folgende Ratschläge:

  • mehr Professionalität im Sozialbereich
  • bessere Information der Betroffenen über ihre Rechte
  • verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachleute im Bereich Armutsbekämpfung
  • stärkere Sensibilisierung und Erarbeitung von kantonalen Strategien zur Armutsbekämpfung

 

Anderseits empfehlen die Autorinnen, weiterführende Untersuchungen zu diesem Thema anzustellen. Sie halten Vergleiche der verschiedenen Sozialhilfen in den Kantonen für sinnvoll und schlagen eine eigentliche Sensibilisierungsaktion vor, nicht zuletzt auch um damit dem beschriebenen Zugangsproblem beizukommen. Die Perspektive der Betroffenen müsste ebenfalls gesondert untersucht werden. Einer Verbesserung der gesamten Sozialhilfeorganisation müsste schliesslich eine neue oder wenigstens konzisere Aufteilung der Verantwortlichkeiten bei der Armutsbekämpfung dienen. Hier könnte die Frage der Privatisierung im Sozialbereich aufgenommen werden, von welcher die Autorinnen jedoch nicht überzeugt sind.


2009-07-09

Andenken an meinen ehemaligen Chef: Ständerat Ernst Leuenberger

Von wuethrich @ 18:51 [ Varia ]

An der gestrigen Trauerfeier für Ernst Leuenberger nahm ich Abschied von einem ehemaligen Arbeitgeber. Ernst war aber nicht ein normaler Chef. Als persönlicher Mitarbeiter arbeitete ich sehr eng mit ihm zusammen, sein privates Büro kannte ich fast auswendig. Kennengelernt haben wir uns an der Feier in Ursenbach als Ernst im Dezember 1997 in seinem Heimatort als Nationalratspräsident empfangen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass wir im Nachbardorf von Ursenbach, in meiner Heimatgemeinde Walterswil, eine SP-Sektion gründen wollten.

Ernst fand dieses Vorhaben sehr vorbildlich und versprach in seiner Ansprach in Ursenbach, dass er am 1. April 1998 an die Gründung der SP Walterswil kommen werde. Ernst hat sein Wort gehalten und hat als höchster Schweizer eine kämpferische Rede gehalten. Ich besuchte Ernst ab und zu im Bundeshaus. Ich kann mich noch gut erinnern wie wir zu zweit im Nationalratspräsidentenzimmer geraucht haben und über Gott und die Welt diskutiert haben (eigentlich sollte ich eher schreiben „Büro der Nationalratspräsidentin“, weil Ernst das Schild ob der Türe nicht ändern liess, um einmal zu merken wie es ist wenn man(n) mitgemeint ist).

Damals war ich vorgesehen als JUSO-Nationalratskandidat. Weil André Daguet keinen Platz auf einer der 13 Männerlinien gefunden hat, wurde ich bearbeitet meinen Platz für den unterlegenen Daguet zu räumen. Ernst ist sicher nicht unbeteiligt, dass ich damals trotz allem nominiert wurde und als 19jähriger mit all den bekannten SP-Männern kandidieren konnte.

Im Januar 2001 absolvierte ich gerade die Unteroffiziersschule in Burgdorf als mich Ernst anrief und mich anfragte, ob ich sein parlamentarischer Assistent werden möchte. Ich hatte damals noch keine Ahnung was ich nach meinem Kassier-Job im Migros neben dem Studium arbeiten wollte. Als ich Ernst offenbarte, dass ich auch noch die Offiziersschule besuchen möchte, runzelte Ernst die Stirne. Meine Begründung, dass ich dies als persönliche Herausforderung betrachte und es ja auch wichtig sei, dass SP-Leute in den Offiziersrängen der Schweizer Armee zu finden sind, hat er widerwillig akzeptiert, dass ich erst auf den 1. November 2001 bei ihm anfing.

Ich habe Ernst das Politisieren erleichtert, pflegte ich zu sagen auf die Frage was ich arbeite. Für Ernst habe ich den Wahlkampf 2003 und 2007 organisiert. Mit dem Roten Pfeil der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) sind wir im ganzen Kanton präsent gewesen. Ernst wurde jeweils fulminant wiedergewählt. Es war einfach für Ernst Wahlkampf zu machen. Man kannt ihn und er war akzeptiert. Meine Idee nur seine Initialen „EL“ als grosses Transparent an den Jura zu hängen, fand er für einen Ständerat dann doch etwas zu modern. Von seiner Art als Politiker aufzutreten, habe ich viel gelernt. Wir haben auch viel über die Arbeit als Politiker diskutiert. Das Staatsmännische eines Ständerates gefällt mir noch heute.

Am interessantesten waren für mich jeweils die Samstagnachmittage. Ich arbeitete oft am Samstag für Ernst. Am Nachmittag diskutierten wir oft zusammen. Dabei lernte ich immer sehr viel über Geschichte und den Staat. Auch über Personen. Wir haben viel „getratscht“ und Zusammenhänge gesucht. Wenn wir etwas nicht gewusst haben, suchten wir im Internet oder in einem Buch. Ernst hatte eine sehr spannende Bibliothek. Diese hat mich immer sehr imponiert.

Ernst war es immer wichtig auch meine Meinung zu hören. Er hat mich ernst genommen. Ich erinnere mich, wie wir über die Frage diskutiert haben, ob Homosexuelle Kinder adoptieren können oder nicht. Ich war eher dafür, Ernst war skeptisch. Gestern an der Trauerfeier hat Peter Bichsel vom „linken Wertkonservatismus“ gesprochen, den er mit Ernst verband. Dies schimmerte wohl auch in dieser Diskussion durch. Zusammen haben wir auch das Kantonale Schwingfest Solothurn 2004 in Derendingen organisiert. Ernst war OK-Ehrenpräsident, allerdings mussten wir dann viel mehr Arbeit übernehmen als geplant. Am Schluss kam alles gut.

Ich habe Ernst viel zu verdanken. Ich werde ihn vermissen. „Adrianovitch“ pflegte Ernst in ruhigen Momenten zu sagen und hat ein süffisantes Lachen nachgeschoben. So nannte mich ausser Ernst niemand. Ich werde ihn vermissen. EL, danke für alles, AW.

 

Bei den Sessionsvorbereitungen im Bundeshaus (2003):

Wahlkampf mit dem Roten Pfeil am Bahnhof Olten 2007 (links neben Ernst, Nationalrat Hans-Jürg Fehr):

 


2009-07-06

Der Bund will eine Lizenz für's Kinderhüten?

Von wuethrich @ 22:58 [ Politik ]

Vor ein paar Jahren hat man intensiv darüber diskutiert, ob Grossmütter und Grossväter auch einen staatlichen Attest brauchen um ihre Enkelkinder zu hüten. Der Kanton Bern verlangte noch bis 2005 eine Bewilligung für Tagesmütter. Die Auslegung war offenbar schwierig und man hat die Vorschriften abgeschafft. 

In der gestrigen Ausgabe der Zeitung "Sonntag" war aber zu lesen, dass jetzt der Bund eine neue Verordnung plante die neue Vorschriften bringt. Wörtlich: "Wer ein fremdes Kind mehr als 20 Stunden pro Woche betreut, soll künftig dafür eine Bewilligung einholen müssen, egal, ob er dies in einem Tagesmütterverein macht oder als Privatperson. ... Neu müssen Tagesmütter (oder -väter) einen Strafregisterauszug vorweisen, Fachwissen belegen, einen Einführungskurs und Weiterbildungen besuchen. Doch damit nicht genug. Ihre Kinderbetreuung soll von einer neu zu schaffenden kantonalen Stelle überwacht werden – auch mit unangemeldeten Besuchen. Wer «schwarzhütet» muss Bussen bis Fr. 5000.– bezahlen."

Der "Sonntag" hat wieder einmal brisante Neuigkeiten zu vermelden! Dabei hat der Kanton Bern zu Recht entsprechende Vorschriften 2005 abgeschafft. Grosseltern brauchen sicher keine Bewilligung, wenn sie auf die Grosskinder aufpassen. Auch andere Verwandte und Bekannte sollen von den Eltern zum Hüten gefragt werden dürfen. Der Staat hat in dieser Frage meiner Meinung nach nichts vorzuschreiben.

Gut, 20 Stunden pro Woche sind eher viel. Aber durchaus möglich, wenn die Grosseltern an Stelle einer Kita während der ganzen Arbeitswoche zu den Kindern schauen. Ich kann die vorgeschlagene Regelung höchstens verstehen, wenn Personen, die Kinder gegen Bezahlung betreuen, eine Bewilligung haben müssen. Alles andere würde zu mehr Bürokratie und Kosten führen. Mit diesem Geld eröffnet man besser eine Kita!

Wenn jene Personen gewisse Auflagen erfüllen müssen, die damit einen Nebenerwerb haben und so anderen Leute's Kinder betreuen, ist dies sicher sinnvoll. Mit einer solchen Vorschrift kann eine gewisse Qualität in der Kinderbetreuung garantiert werden. In einer Kindertagesschätte ist auch vorgeschrieben welche Ausbildungen die Angestellten haben müssen. Die neue Regelung wird die Tätigkeit der Tageseltern sicher aufwerten helfen. In meinen Augen reicht die Qualifikation nicht, wenn man eigene Kinder gross gezogen hat. Das Vorweisen eines Strafregisterauszugs kann auch hilfreich sein. Aber ich denke, dass wir grössere Probleme haben in der Schweiz...

 

 

 


2009-07-04

Huttwil als Publikumsmagnet - Verkehrsfluss beeinträchtigt

Von wuethrich @ 15:03 [ Huttwil ]

An diesem Wochenende findet ihn Huttwil der historische Handwerkermarkt, das Open Air Huttwil und die Reitconcours des Kavallerievereins Huttwil statt. Alle Veranstaltungen finden im Ortsteil Schwarzenbach statt. Punkto Verkehr und Parkplätze ist diese Situation eine grosse Herausforderung.

Aus diesem Grund habe ich die drei Veranstalter zu einer Besprechung im Stadthaus eingeladen. Alle haben ihre Vorstellungen über die Parkplatzsituation auf den Tisch gelegt. Wichtig war mir, dass sich die Akteure einmal kennenlernen. Gewisse Schnittstellen konnten bereinigt und koordiniert werden. Es ist allerdings nicht Aufgabe der Gemeindebehörde den Parkdienst selber zu organisieren. Wir können einfach günstige Voraussetzungen schaffen, dass alles klappt. 

Gestern Abend war die Situation soweit ruhig. Der Regen hätte fast noch Probleme gemacht. Aber der historische Handwerkermarkt begann erst heute. Um 13 Uhr gingen die Türen auf für das Open Air. Nach einem ersten Augenschein muss ich sagen, dass alles klappt. Das Parkteam des Sportcenters hat die Lage im Griff. Der Stau, der bis ins Städtchen reichte, entstand, weil die Autofahrenden gefragt werden müssen wohin sie fahren wollen. In diesem Punkt muss man sicher noch optimieren. Sonst wird die ganze Bahnhofstrasse auch noch blockiert.

Ich hoffe auf ein regenloses Wochenende ohne Zwischenfälle. Alle Besucherinnen und Besucher von Huttwil bitte ich um etwas Geduld, wie wir das schon im Amtsanzeiger mitgeteilt haben. Auch ich bin ein Besucher: Mache mich auf den Weg ans Open Air und Morgen an den historischen Handwerkermarkt. Kommen Sie auch? Mehr Infos zum Open Air hier, zum historischen Handwerkermarkt hier und zum Reitconcours hier. Allfällige Rückmeldungen punkto Verkehr nehme ich gerne auf...

Treten heute im Sportcenter Huttwil auf und geben ihr einziges Schweizer Konzert in diesem Jahr: Gotthard:



2009-07-03

Bundesrat Leuenberger zum öV im Oberaargau / Petition läuft noch - Stand der Dinge

Von wuethrich @ 16:43 [ Region ]

Die Anfang Jahr lancierte Petition gegen die Streichung der Abendzüge auf der Strecke Olten-Bern haben wir noch nicht eingereicht. Das wird sicher bald geschehen. Wer noch Unterschriften hat, soll diese schnell einschicken. Wer noch nicht unterschrieben hat, kann den Unterschriftenbogen auf der IGöV-Homepage herunterladen. Die Petition fordert von der SBB die Rücknahme der Streichung der Züge am Abend. Mit dem Ziel bis Betriebsschluss auf der IR-Strecke Bern-Olten den Halbstundentakt zu haben.

Leider planen die SBB den Abzug der Zugbegleiter auf dem IR Olten-Bern. Ich sage leider, weil dies einen Verlust von Arbeitsplätzen bedeutet. Bis heute sind alle Fernverkehrszüge der SBB von Zugbegleitern bestückt. Nun wollen die SBB an dieser klaren Regelung kratzen und auf gewissen Strecken des Fernverkehrs die Kondukteure (alte Bezeichnung) abziehen. (Diese Massnahme steht im Zusammenhang der Zusage der SBB alle Fernverkehrszüge in Doppelbegleitung zu fahren, was zusätzliche Stellen schafft. Mit dem Abzug auf gewissen Strecken sind weniger neue Zugbegleitende nötig).

Dieser Serviceabbau ist noch nicht beschlossen. Es wird noch verhandelt. Sollte die Zugbegleitung gestrichen werden, dann müssten die Einsparungen der Kundschaft zu Gute kommen. Und zwar mit der Wiedereinführung der gestrichenen Züge! Dazu braucht es die eingangs erwähnte Petition. Es braucht aber auch den Druck der betroffenen Stadtpräsidien (die Zusammenarbeit läuft von Olten über Langenthal nach Bern).

Nationalrat Andreas Aebi hat zudem in der Fragestunde vom 9. März 2009 im Nationalrat Fragen eingereicht. Hier möchte ich die Antworten von Bundesrat Leuenberger nicht vorenthalten:

Eingereichter Text von Nationalrat Aebi:

  • Ist das Bundesamt für Verkehr bereit, trotz Zunahme im Fernverkehr von rund 8 Prozent im vergangenen Jahr bei gleichbleibender Leistungsvereinbarung (Infrastrukturbeitrag von 1,5 Milliarden Franken) Kürzungen im Angebot hinzunehmen?
  • Aufgrund welcher Methode/Grundlage erheben die SBB die Passagierzahlen? Eigene Erhebungen auf der Linie Bern-Burgdorf-Herzogenbuchsee-Olten zeigen höhere Personenzahlen.
  • Gibt es andere Linien, die eine ähnliche Frequentierung aufweisen?
  • Was sehen die SBB hier für Massnahmen vor?
  • Um in den Oberaargau zu gelangen, muss man Zürich spätestens um 23 Uhr verlassen haben.Was unternehmen die SBB, dass die Randregionen nicht noch mehr benachteiligt werden?
Antwort von Bundesrat Moritz Leuenberger:
 
Ich beantworte die Fragen einzeln. Zur ersten Frage: Bei der angesprochenen Verbindung handelt es sich um eine Fernverkehrsverbindung. Die SBB erbringen die Leistungen gemäss Konzession, und diese wurde am 6. Dezember 2007 erneuert. Der Bund stellt sicher, dass keine Kürzung des Angebotes vorgenommen wird, welche das Angebot, wie es in der Konzession vorgesehen ist, schmälern würde.
 

Zur dritten Frage: Der Fernverkehr fällt in die Eigenverantwortung der SBB. Die SBB überprüfen deshalb kontinuierlich sämtliche Linien bezüglich Nachfrage und Rentabilität. Diese Analysen attestieren dem Oberaargau im Vergleich zu anderen Regionen mit ähnlicher Nachfrage ein überdurchschnittlich gutes Fernverkehrsangebot.
 
Die SBB - um zur vierten Frage zu kommen - sind bestrebt, den Randregionen ein attraktives Angebot zu bieten und dieses laufend den Bedürfnissen anzupassen. Das trifft auch für den Oberaargau zu. Dank der Einsparung der Spätverbindung Zürich-Oberaargau war es möglich, den von der Kundschaft mehrfach geforderten zusätzlichen Frühzug für Pendler ab Olten via Langenthal nach Bern einzulegen. Zudem besteht weiterhin eine Frühverbindung vom Oberaargau zum Flughafen Zürich. Der Zug fährt in Langenthal um 05.13 Uhr ab, die Passagiere steigen in Zürich-Hauptbahnhof um. An Wochentagen besteht um 23 Uhr die letzte Verbindung von Zürich zum Beispiel nach Herzogenbuchsee, um 23.32 Uhr nach Langenthal. Am Wochenende kann der Oberaargau mit einer Verbindung um 00.00 Uhr ab Zürich erreicht werden, mit Umsteigen in Olten.
 
Wenn Sie nicht alles, was ich da gesagt habe, behalten konnten: Im SBB-Internetfahrplan ist alles automatisch zu finden.

Zur Abkühlung ein Bild vom Winter: Der IR hält in Herzogenbuchsee (Bild: hks)


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