Mehr öV: Berner Grossratskommission und ich für Ausbau - Nachtangebot wird vom Kanton nicht unterstützt
| Von wuethrich @ 16:41 | [ Kanton Bern ] |
Am letzten Freitagmorgen tagt die Spezialkommission des Berner Grossen Rates für die Anpassung des öV-Angebotsbeschlusses 2011-2014. Normalerweise ist ein Angebotsbeschluss für vier Jahre gültig. Der aktuelle Beschluss muss allerdings angepasst werden, weshalb nun auf den nächsten Fahrplanwechsel einige Änderungen eingeführt werden sollen. Nichts Weltbewegendes. Alles wurde in den Regionalen Verkehrskonferenzen bereits kompromissmässig ausgehandelt, weshalb es ein Ritual ist den Angebotsbeschluss so durchzuwinken.
Nach dem ich in den letzten Jahren mehrmals für ein regionales Anliegen in ebendieser Kommission lobbyiert hatte, war es für mich speziell nun selber Mitglied der Kommission zu sein. Es war nach dem Regierungsstatthaltergesetz (dessen Änderung ja dann zurückgezogen wurde vom Regierungsrat) und dem Gesetz über die Berner Landeskirchen (kommt in der März-Session ins Plenum) meine dritte Kommission.
Wenn ich die Medienmitteilung des Büros über die Sitzung lese, muss ich diese mit zwei Punkten ergänzen. Erstens ist es toll, dass der öV im Kanton Bern ausgebaut werden kann und die zusätzlichen finanziellen Mittel nicht bestritten waren. Allerdings muss das Geld dann im Rahmen des Budgets ausgelöst werden. Angesichts der düsteren Finanzlage werden alle Bereiche Einsparungen erleiden, obwohl ich natürlich hoffe, dass der öV geschont wird (aktuell geplantes Budget 2012: 187 Mio. Franken). Es wäre ja unmöglich, dass wegen der tieferen Motorfahrzeugsteuer jetzt weniger öV angeboten werden könnte!
Der zweite Punkte, den ich erwähnen will: Betreffend dem öV-Angebot in der Nacht wird nichts erwähnt. Dazu hat es aber einen Bericht und eine breite Konsulation gegeben, der durch einen Vorstoss meiner Kollegin Grossrätin Nadine Masshardt ausgelöst wurde. Damals 2006 als sie in den Grossen Rat gewählt wurde, haben wir als JUSO ihren Vorstoss unterstützt, der forderte, dass das Gleis 7-Abo im ganzen Kanton gültig ist (mit diesem Jahresabo können Jugendliche bis 26 Jahren ab 19 Uhr bis Betriebsschluss den öV benützen). Der Regierungsrat lehnte das Angebot ab, war aber im Sinne eines Postulates bereit zu prüfen:
Nach Rücksprache mit den zuständigen Fachstellen kommt der Regierungsrat zum
Schluss, dass er das Anliegen eines besser auf die jugendlichen Bedürfnisse abgestimmten öffentlichen Verkehrs auf einer etwas breiteren Basis prüfen möchte. Er erachtet es als sinnvoll, die nächtliche öV-Situation, von der die Jugendlichen in besonderem Ausmass betroffen sind, generell bezüglich Tarif- und Fahrplanangebot im ganzen Kantonsgebiet zu prüfen, wobei unter anderem auch die finanziellen Auswirkungen zu berücksichtigen sind.
Die Prüfung hat jetzt eine einzige Wirkung: Neu kann der Kanton Bern auch öV-Angebote zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens mitfinanzieren. Eine Verbesserung des öV-Nachtangebotes gibt es nicht. Auch keine weitere finanzielle Beteiligung wie das im regierungsrätlichen Bericht angedacht wurde. Schade. Damit können die Transportunternehmen ihre eigenen Tarife vorgeben und auf Kosten der jungen Generation Gewinne machen. Der Kanton redet nicht drein. Abos gelten bei den Moonliner-Kursen nicht. Ich werde diesen Punkt im Grossratsplenum sicher zur Sprache bringen, wenn auch klar ist, dass alles was Geld benötigt, abgelehnt wird... In der Kommission fand ich keine Unterstützung.
Hier der Link zu einem Zeitungsartikel des Langenthaler Tagblattes aus dem Jahr 2000, als ich als Präsident des Jugendparlamentes Oberaargau an vorderster Front für den Nachtbus Bern-Langenthal kämpfte - heute ist dieser längst etabliert.








