Nichtbezugsquote von Sozialhilfe – Regierungsrat Perrenoud antwortet
| Von wuethrich @ 21:37 | [ Kanton Bern ] |
Wüthrich begründete seinen Vorstoss so:
Im Dezember 2012 hat der Regierungsrat den Bericht über die Kontrolle der Kosten
in der individuellen Sozialhilfe in den Jahren 2009, 2010 und 2011 an die Grossrats-
mitglieder verschickt und den Sozialbericht 2012 veröffentlicht.. Mit der Sozialbericht-
erstattung des Kantons Bern sollen ein ganzheitliches Bild der Themen Armut, Exi-
stenzsicherung und Sozialhilfe im Kanton Bern vermittelt und ein Beitrag für eine
sachliche Diskussion dieser Themen geliefert werden. Die gelieferten Zahlen und
Analysen sind eindrücklich und zeigen, dass immer mehr Menschen Sozialhilfe be-
nötigen.
Über eine Zahl hat der Regierungsrat in diesem Zusammenhang allerdings nicht in-
formiert: die Nichtbezugsquote. Dies ist der Anteil an Sozialhilfe-Bezugsberechtigten,
die sich trotz ihrer prekären Lebenslage gar nicht erst vor den Schaltern der Sozial-
ämter einfinden. Diese Quote liege in der Schweiz mittlerweile bei 60 Prozent, wie
an aus Zahlen des Bundesamts für Statistik schliessen kann. Fragen: 1. Wie hoch ist
die Nichtbezugsquote im Kanton Bern? 2. Welche Gründe sind es aus Sicht des
Regierungsrates, die die Menschen abhalten, Sozialhilfe zu beantragen? 3.. Wird der
Regierungsrat im nächsten Sozialbericht darüber eingehend berichten?
Eine Grauzone, aber eine wichtige Frage
Am 29. Januar 2013 antwortete Regierungsrat Philippe Perrenoud, Gesundheits-
und Fürsorgedirektor auf die Frage von Grossrat Adrian Wüthrich gemäss Ratsprotokoll
wie folgt:
Le taux de non recours n’est pas déterminé et on parle à juste titre de zone grise
dans ce contexte. Une comparaison directe entre le taux de pauvreté et le taux
d’aide sociale est impossible pour des raisons méthodologiques et conceptuelles.
Nous ne disposons actuellement que des estimations de la littérature spécialisée, qui
ne concordent de loin pas entre elles et sont donc peu concluantes. Renseignements
pris auprès de l’Office fédéral de la statistique, celui-ci ne publie aucun chiffre à ce
sujet. 2. Les raisons pour lesquelles les personnes qui auraient droit à l’aide sociale
et ne le demandent pas sont multiples: des sentiments comme la honte, la fierté ou la
peur d’être stigmatisé peuvent jouer un rôle, le manque d’informations ou la com-
plexité de la démarche peuvent aussi être dissuasifs. Certains préfèrent sans doute
aussi faire appel d’abord à leur réseau social, lorsque celui-ci le leur permet, ou se
débrouiller par leurs propres moyens en recourant à l’autosubsistance alimentaire. 3.
Le rapport social se focalise sur la situation économique de l’ensemble de la popula-
tion et non pas sur l’aide sociale. Il n’est donc en principe pas prévu de traiter le non
recours aux prestations. Le Conseil-exécutif est tout à fait disposé à se pencher sur
cette question de politique sociale importante, éventuellement dans un autre cadre.
Übersetzung:
Die Nichtbezugsquote ist nicht festgelegt und wir sprechen richtigerweise in diesem
Zusammenhang von einer Grauzone. Ein direkter Vergleich zwischen Armutsquote
und der Sozialhilfequote ist aus methodischen und konzeptuellen Gründen unmög-
lich. Wir verfügen gegenwärtig nur über Schätzungen in der Fachliteratur, welche
unter sich nicht übereinstimmen und daher wenig zwingend erscheinen. Erkundigun-
gen beim Bundesamt für Statistik haben ergeben, dass dieses keine Zahlen zu die-
sem Thema publiziert hat. 2. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Personen, wel-
che Anrecht auf Sozialhilfe hätten und diese nicht anfordern: Gefühle wie Scham, der
Stolz oder die Angst, stigmatisiert zu werden, können eine Rolle spielen. Auch der
Mangel an Informationen oder die Komplexität des Verfahrens dürften ausschlagge-
bend sein. Einige Betroffene ziehen es, falls möglich, offenbar vor, zuerst auf ihr so-
ziales Netz zurückzugreifen oder sich mit den eigenen Mitteln selbst zurecht zu fin-
den, indem sie Selbstversorger werden. 3. Der Sozialbericht konzentriert sich auf die
wirtschaftliche Situation der Gesamtbevölkerung und nicht auf die Sozialhilfe. Es ist
daher nicht vorgesehen, den Nichtbezug von Sozialhilfe zu behandeln. Der Regie-
rungsrat ist hingegen bereit, sich eventuell in einem anderen Rahmen dieser
wichtigen Frage im Sozialbereich anzunehmen. (Übersetzung PIV.)
Quelle: http://www.haelfte.ch/index.php/newsletter-reader/items/Nichtbezugsquote.html











