Ich habe keine Hemmungen vor dem politischen Gegner. Vielmehr ist es mein Anliegen über die Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten zu können und auch die Argumente der "anderen" Seite zu kennen. Zugleich konnte ich auch einmal mit meinem Vater an einen politischen Anlass. Wir haben abgemacht, um gemeinsam den Saalanlass der SVP Walterswil (bei der mein Vater Mitglied ist) in der Mehrzweckhalle Walterswil zu besuchen.
Neben einem FDP-Regierungsratskandidat war ich wohl der einzige Nicht-SVP-Kandidat. Es hätten noch mehr Leute kommen können, allerdings hätte meine Partei alleine nicht einmal so viele Leute hingebracht. Ausser als ich Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in ebendiese Mehrzweckhalle eingeladen habe, konnten wir noch mehr Leute mobilisieren. Aber das ist schon ein paar Jahre her...
Der SVP-Saalanlass war nur mässig interessant. Herr Trösch, Präsident vom Wirtschaftsverband Oberaargau hat ein Referat über Chancen und Risiken für den Oberaargau gehalten. Natürlich will er unbedingt den Autobahnzubringer. Wenn der Bund ihn nicht finanziere, dann müsse ein Private Public Partnership her. Nur zu... Die Trachtengruppe Huttwil hatte auch ihren Auftritt und der Schätzwettbewerb durfte auch nicht fehlen.
Jeder Kandidat bzw. jede Kandidatin konnte ein Kurzstatement abgeben. Widerspruch oder Fragen waren nicht gefragt. Ein "Wohlfühl"-Anlass für Kandidierende. Man war ja unter sich. Aber es gab ein paar Widersprüche auf die man hätte hinweisen können. Zudem habe ich das Gefühl, dass es im Wahlkreis Oberaargau nur Leute aus der Landwirtschaft gibt. Jeder Kandidierende hat prominent erwähnt, wie wichtig die Landwirtschaft sei. Klar, der Anteil der Beschäftigten im ersten Sektor ist im Oberaargau grösser als im kantonalen Schnitt (ca. 10 Prozent). Steuern will man senken, aber die Bildung darf nicht leiden, der Spitalstandort Langenthal sei wichtig, der Autobahnzubringer müsse gebaut werden, auch ein neues AKW, etc. Herr Leuenberger wolle die Pendlersteuer einführen, das gehe nicht! Wie sollen wir aber sonst die Bahninfrastruktur finanzieren? Etc.
Tüchtig wurde auch auf der rot-grünen Regierungsmehrheit herumgehackt. Anständig, aber dennoch etwas populistisch. Die Gesundheitsdirektion habe keine Spitalplanung. Aha. Dass aber der Kanton via Spitalliste die Spitallandschaft steuert und sonst die Spitalregionen bzw. deren Verwaltungsräte zuständig sind, wurde nicht gesagt. Und dass die Steuern auch in den Jahren der bürgerlichen Regierungsmehrheit nicht wesentlich gesenkt wurde, aber die aktuelle Regierung die schwierige Krise sehr gut managt, wurde auch nicht gesagt.
Am meisten erstaunt hat mich, wie konsequent die BDP ausgeblendet wird. Den ganzen Abend wurde das Kürzel BDP gemieden. Bis am Ende der Veranstaltung als einer ehemaliger Sektionspräsident der SVP meinte, es tue ihm immer noch weh, was passiert sei. Das Verhältnis ist eigenartig. Dabei ist klar: BDP-Politik = SVP-Politik. Einen grossen Unterschied finde ich wirklich nicht. Für mich war es eine gute Weiterbildung.
Ein Wahlflyer ist mir besonders aufgefallen: Der Stadtpräsident von Langenthal hat seinen Wahlflyer in dezentem Blau gestaltet, kommt locker und naturverbunden daher, SVP ist nur sehr, sehr klein erwähnt. Auf der Rückseite will er uns weiss machen, dass er bereits Grossrat ist! Ich vermute, dass er gute Wahlchancen hat. Aber gerade so anzugeben, ist doch etwas viel... Er kandidiert neu wie ich und ist kein bisheriger Grossrat.
Wir werden sehen wie die Wählenden entscheiden werden. Am 28. März ist es soweit. Sollte ich von Ihnen gewählt werden, wüsste ich auf jeden Fall jetzt wer die SVP-Grossratsmitglieder sind und was ihre Anliegen sind... Ich liebe solche Veranstaltungen - gerne natürlich auch von meiner Partei! Am Samstag bin ich an einem Standaktion in Melchnau!